Sidestory: Dem Ursprung des Unihockey auf der Spur
Ein Gespräch mit Rolf „Hurti“ Widmer soll Aufschluss geben.
Es gibt zahlreiche Theorien über den Ursprung des Unihockeys in der Schweiz. Eines haben sie gemeinsam: Der Name von Rolf „Hurti“ Widmer fällt immer. Er soll der Mann sein, der die Stöcke in die Schweiz brachte. Eigentlich brachte er sie gar nie in die Schweiz. Sie waren schon da, er hat sie „nur“ gefunden. Aber dazu später. Wir trafen Rolf Widmer, auch bekannt als „Hurti“, an der Unihockey-WM in Kloten, wo er als Ehrenmitglied des Schweizerischen Unihockey Verbandes eingeladen wurde. Gleichzeitig begleitete er als Primarlehrer zwei seiner Schulklassen, die das Spiel Schweiz-Russland besuchten. Wir fragten ihn über „seine“ Sportart aus.
„Ich wollte immer eine Alternativ-Sportart zum Eishockey“, erklärt „Hurti“ und macht deutlich, dass er seit jeher ein grosser Eishockeyfanatiker ist. Der Blick bezeichnete ihn als denjenigen, der das „Hockey in die Turnschuhe steckte“. Eine Schlagzeile, die er noch heute gerne zitiert. Er sei lange Zeit belächelt worden von den Leuten, denen er die Sportart nahe bringen wollte. „Ich wurde ausgelacht und fand kaum Unterstützung, das Unihockey bei Turnvereinen zu verbreiten.“ Sein „Hallenhockey“ wurde dem Landhockeyverband angehängt, was seiner Vision eigentlich entgegen lief. Bei der Gründung eines eigenen Verbandes wurde „Hurti“ seinen Angaben nach „abgeschossen“. Er verliess die Szene.
Uns interessierte aber eigentlich sowieso mehr der Ursprung. Der Verein Zürich Nord (den es heute nicht mehr gibt) soll der erste Unihockeyverein gewesen sein. Und was hat es mit diesen ominösen Stöcken auf sich? „Ich fand als Student eine Schachtel Stöcke der Marke unihoc in einem Ecken einer Turnhalle in Zürich. Ich habe sie nicht von Schweden mitgenommen und schon gar nicht von Amerika, was auch schon jemand geschrieben hat.“ Dann habe er angefangen, die Sportart, deren Regeln er selbst entworfen hatte in der Uni zu verbreiten. Zuerst wurde auf Aussenplätzen und auf Tore in der Grösse von Handballtoren gespielt. In „Hurti’s“ Regeln war die Nähe zum Eishockey deutlich sichtbar: Der Ball wurde künstlich schwerer gemacht und der Ball durfte mit der Hand gefangen werden. Der Torhüter spielte natürlich mit Stock.
Was denkt „Hurti“ über das heutige Unihockey? Das Material sei viel besser geworden. Schmunzelnd gibt er zu bedenken, dass „jeder mit diesem Material Unihockey spielen kann“. Es handle sich um ein Kunst-Hockey. „Wenn ich die Spiele der WM anschaue, habe ich das Gefühl, dass das Unihockey nicht weit gekommen ist seit meiner Zeit.“ Naja, die Spiele der „Künstler“ werden immerhin von mehreren tausend Zuschauern verfolgt. Nicht nur in Skandinavien, auch bei Spitzenspielen in der Schweiz und an der WM. Hurti akzeptiert, dass doch etwas passiert ist seit seiner Zeit. Sein Traum von einer eishockeyähnlichen Sportart ist aber nicht wahr geworden.